Ausstellung

Mukashi, mukashi... Wie japanische Märchen nach Europa kamen

Japanisches Informations- und Kulturzentrum
Schottenring 8, 1010 Wien

Öffnungszeiten

Mo-Fr (außer an Feiertagen) 09:00-12:00 / 13:30-16:30

Beschreibung

Die Komparatistik und die Japanologie der Universität Wien präsentieren im Japanischen Informations- und Kulturzentrum eine Ausstellung zu japanischen Märchensammlungen in europäischen Sprachen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Gezeigt werden historische Buchobjekte, ergänzt durch zeitgenössische Märchen-Holzschnitte und einer kamishibai-Serie der in Wien lebenden und arbeitenden Künstlerin Takako Matsukawa. Die Besucher:innen können sich auch ausgewählte Passagen aus den historischen Märchenbüchern vorlesen lassen. Sie stehen als Audiodateien zur Verfügung und sind per QR-Code abrufbar.

 

Mukashi, mukashi … Vor langer langer Zeit, da lebte der tapfere Pfirsichjunge Momotarō, der die bösen Riesen besiegte, und einem wundersamen Teekessel wuchsen vier Beine und ein buschiger Schwanz, bis sich der Teekessel in einen Tanuki, einen japanischen Dachshund verwandelt hatte, der allerlei Schabernack trieb und sogar Kunststücke vollführen konnte (Bunbuku Chagama). Dies sind nur zwei bekannte Gestalten aus dem japanischen Volksgut. Sie begegnen uns schon in den ersten Märchensammlungen, die im späten 19. Jahrhundert ins Englische, Deutsche und in andere Sprachen übersetzt wurden und so nach Europa gelangten.

 

Wer machte sich die Mühe, diese Märchen zu sammeln, wieder zu erzählen und herauszugeben? Es waren teils japanische Verleger, teils Europäer:innen, und alle unterschieden sich in ihren Kenntnissen der japanischen Sprache und Kultur ebenso sehr wie in ihren Motivationen. Was sie einte, war die Idee, Märchen als Mittler zwischen den Kulturen einzusetzen: die europäischen Autor:innen wollten einem westlichen Publikum die japanische Volkskultur mit deren vielfältigem Märchenschatz näherbringen. Ein findiger japanischer Verleger hingegen – Hasegawa Takejiro (1853-1938) – benutzte die Märchen umgekehrt, um anhand bekannter Texte jungen japanischen Leser:innen die „Sprache der Westler“ zu vermitteln, die moderne Japaner:innen ebenso beherrschen sollten wie ihre eigene. Er produzierte kleine Kunstwerke, die ihre Attraktivität bis heute nicht eingebüßt haben: farbenfroh bebilderte Kreppbücher, die in mehreren Serien und in verschiedenen Sprachen in Tokyo erschienen und bald auch im Ausland als begehrte Sammelobjekte geschätzt wurden.

 

Eine solche Sammlung aus dem Besitz von em. Univ.-Prof. Sepp Linhart wird in der Ausstellung ebenso gezeigt wie das erste japanische Märchenbuch in deutscher Sprache, das der österreichische Arzt Ferdinand Junker von Langegg (1828-1901) 1884 unter dem Titel Fu-sô cha-wa. Japanische Thee-geschichten herausbrachte, oder die kleine Sammlung Japanische Volksmärchen der Wiener Autorin und Verlegerin Helene Scheu-Riesz (1880-1970) aus dem Jahr 1912.

 

Und wer sich an den vielen großen und kleinen, bunten und japanisiert aufgemachten Büchern noch nicht satt gesehen hat und auch einmal ein Märchen erzählt bekommen möchte, kann per QR-Code eine Audiodatei aufrufen und sich einen Ausschnitt aus einem der alten Märchenbücher anhören – eingelesen von Studierenden der Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Universität Wien, die sich im vergangenen Semester im Seminar „Japanische Volksdichtung international“ unter der Leitung von Dr. Christine Frank intensiv mit diesen Büchern auseinandergesetzt haben. Die ausgestellten Exemplare stammen aus der Japanologie der Universität Wien, sowie aus privaten Sammlungen.

 

Ergänzt wird die Ausstellung durch Märchen-Originaldrucke aus den 1980er Jahren und einer kamishibai-Serie auf Japanpapier von 2009, die die in Wien lebende und arbeitende Künstlerin Takako Matsukawa (*1945) gestaltet hat.

Veranstalter

Kontakt

Erstellt am Donnerstag, 07. Mai 2026, 17:16
Letzte Änderung am Montag, 11. Mai 2026, 09:44