Freitag, 19. Februar 2021, 14:00 - 19:00 iCal

Tagung Netzwerk SprachenRechte

Messen – Bewerten – Prüfen im Kontext von Deutsch als Zweitsprache

Universität Wien
Währinger Straße 29 & Sensengasse 3a, 1090 Wien

Tagung


Weitere Termine

Samstag, 20. Februar 2021, 10:00 - 16:15

Das Messen, Bewerten und Prüfen von Kenntnissen des Deutschen als Zweitsprache hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. In Kindergärten und Schulen bestimmen zunehmend sprachliche Testungen den pädagogischen Alltag und die weiteren Zukunftsperspektiven von Kindern. Als Gate-Keeping-Instrumente entscheiden Deutschprüfungen schon seit 2005 über die Aufenthaltserlaubnis von MigrantInnen und seit 2019 auch über den Empfang von Sozialhilfe.

Diese herausragende Bedeutung von Sprachtestungen in der Integrations- und Bildungspolitik und ihre existenziellen Konsequenzen für Getestete geben Anlass, sich mit den Funktionsweisen und Wirkungen von Tests kritisch auseinanderzusetzen. Im Rahmen eines interinstitutionell ausgerichteten Symposiums werden nicht nur wissenschaftliche Perspektiven, sondern auch Erfahrungen aus der Umsetzungspraxis eingeholt und miteinander in Beziehung gesetzt.

Die Tagung beschäftigt sich mit folgenden Fragen:

1. Trägt der Einsatz von (standardisierten) Beobachtungs- und Testverfahren zur Bildungsgerechtigkeit bei? Wenn ja, warum, und wenn nicht, weshalb? Wie ist es um die Objektivität von Tests in Bildungszusammenhängen bestellt? Und wie wirken Testungen auf alle am Bildungsprozess Beteiligten inklusive Eltern?

2. Welchen Einfluss nehmen standardisierte Testverfahren auf die Gestaltung von Unterricht? Auf die Formen und auf die Inhalte? Inwiefern sind diese Einflüsse als lernförderlich einzuschätzen? Kann trotz Test Lernen gefördert werden? Wie?

3. Welche Qualität weisen die aktuell in Österreich eingesetzten Messinstrumente (BESK KOMPAKT, MIKA-D, ÖIF-Prüfung) auf? Werden sie und ihr Einsatz testethischen und wissenschaftlichen Anforderungen gerecht, vor allem auch in Hinblick auf die Qualifizierung der Testenden?

4. Wie wird im medial vermittelten politischen Diskurs die Rolle des Testens dargestellt und erörtert? Wie gehen die unterschiedlichen Diskursteilnehmer*innen (Politiker*innen, Pädagog*innen, Wissenschaftler*innen) aus ihren jeweiligen Diskurspositionen auf die Effekte der mit dem Testen einhergehenden sozialen Segregation ein? Welche politischen Ziele und Strategien lassen sich diskursanalytisch rekonstruieren? Welche Strategien gegen die Segregation qua Sprachtest kommen im Diskurs zur Sprache?

Die Ergebnisse von Vorträgen werden im Anschluss von PraktikerInnen im Feld in Bezug zu ihren Erfahrungen und Herausforderungen gebracht und es wird an möglichen Alternativen gearbeitet. Dabei geht es um alle Stufen und Bereiche des Bildungssystems, vom Kindergarten bis zur Erwachsenenbildung, von der Berufsbildung bis zum Universitätsstudium. Besonders interessiert aber die Ausbildung von PädagogInnen und Lehrenden.

 

Hauptvorträge:

"Tests und Bildungsgerechtigkeit", Anja Wildemann (Universität Koblenz/Landau)

"Tests und Didaktik", Udo Ohm (Universität Bielefeld)

"Die Beobachtungs- und Testinstrumente und ihre Qualität", Marion Döll (Pädagogische Hochschule Linz)

"Der Diskurs über Sprachtests in österreichischen Medien – eine Kritische Diskursanalyse", Martin Reisigl (Universität Wien)

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Veranstalter

Netzwerk SprachenRechte in Kooperation mit dem ÖDAF


Um Anmeldung wird gebeten


Kontakt

Mi-Cha Flubacher
Institut für Sprachwissenschaft
Angewandte Sprachwissenschaft
01427741714
mi-cha.flubacher@univie.ac.at