Samstag, 28. Oktober 2017, 10:00 - 15:00 iCal

Foucault trifft Latour

Workshop zu den Ordnungen und Existenzweisen der Moderne

Institut für Wissenschaft und Kunst
Berggasse 17, 1090 Wien

Tagung, Konferenz, Kongress, Symposium


Weitere Termine

Freitag, 27. Oktober 2017, 14:00 - 18:00

Ganz am Ende seines 1966 publizierten Buchs "Die Ordnung der Dinge" ging Foucault eine seither vielzitierte Wette ein. Wenn "durch irgendein Ereignis, dessen Möglichkeit wir höchstens vorausahnen können", unsere epistemischen "Dispositionen ins Wanken gerieten", so "kann man sehr wohl wetten, dass der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand." So, wie der Mensch als "Erfindung" der Humanwissenschaften am Ende des klassischen Zeitalters als Wissensobjekt erschienen ist, wie ihn Biologie, Linguistik und politische Ökonomie – mit den Konzepten des Lebens, der Sprache und der Arbeit – zu erfassen suchten, so könnten in absehbarer Zeit andere Wissensformen ins Zentrum des Denkens rücken und "das baldige Ende" der anthropozentrischen Episteme einläuten. Unausgesprochen stellt Foucaults Archäologie der Humanwissenschaften damit auch die Frage, was auf das Zeitalter folgt, das wir als die Moderne bezeichnen.

Anfang der 1990er Jahre behauptete Bruno Latour dann provokant: "Wir sind nie modern gewesen"! Die Ordnungssysteme der Modernen hätten nicht nur zur "Geburt des 'Menschen'" geführt, sondern auch die "gleichzeitige Geburt der 'Nicht-Menschheit': die der Dinge oder Objekte oder Tiere" bewirkt. Diese "moderne Trennung zwischen Natur und Gesellschaft", diese gewaltsame Entknotung der Hybride zwischen Menschen und Nicht-Menschen gelte es zu revidieren. Folgerichtig kann die von Latour seit den 1980er Jahren mitentwickelte Akteur-Netzwerk-Theorie als eine Kritik am Projekt der Moderne und deren Erfindung des Menschen als handlungsmächtigem Subjekt verstanden werden. Setzt also die ANT mit ihrer Fokussierung auf nicht-menschliche Akteure das von Foucault angekündigte Verschwinden des Menschen bereits in die Tat um?

Die Open-Access-Zeitschrift "Le foucaldien" widmet diesem Spannungsfeld zwischen Foucault und Latour, zwischen den Ordnungen und den Existenzweisen, den Epistemen und Netzwerken der Moderne einen Workshop. Im Zentrum dieses Aufeinandertreffens oder dieser Konfrontation sollen zwei Bücher stehen, nämlich die Hauptwerke der beiden Denker: Foucaults "Die Ordnung der Dinge: Eine Archäologie der Humanwissenschaften" (1966) und Latours "Existenzweisen: Eine Anthropologie der Modernen" (2012). Können diese schwierigen Texte komplementär gelesen werden? Setzen die Existenzweisen dort an, wo die Ordnung der Dinge aufhört? Oder kehrt Latours Gegenentwurf der Moderne in die Vormoderne zurück, in die "prosaische Welt" der Renaissance, wie sie Foucault beschrieben hat? Was für eine Theorie und Kritik der Moderne entwickeln diese Bücher? Und wie verhalten sich ihre Analysen moderner Diskurse und Existenzweisen methodisch zueinander?

Als Vortragende nehmen teil: Clemens Apprich (Kulturwissenschaftler, Lüneburg), Tanja Gnosa (Kulturwissenschaftlerin, Koblenz), Matthias Flatscher (Philosoph, Wien), Vera Knolle (Philosophin, Berlin), Hubert Matt (Philosoph, Bregenz), Roberto Nigro (Philosoph, Lüneburg), Gustav Roßler (Soziologe, Berlin) und Gottfried Schnödl (Literatur- und Medienwissenschaftler, Lüneburg). Diskutierend beteiligen sich außerdem Bettina Bruder (Mediendesignerin, FH Vorarlberg) und Karin Harrasser (Kulturwissenschaftlerin, Linz). Moderiert wird der Workshop von Simon Ganahl und Patrick Kilian von "Le foucaldien".

Zur Webseite der Veranstaltung


Veranstalter

Le foucaldien


Kontakt

Simon Ganahl
Universität Wien
Institut für Germanistik
+43 650 5445180
simon.ganahl@univie.ac.at